Schneidezähne

Die Schneidezähne aller Nagetiere und Hasenartigen kürzen wir zahnschonend mit einer rotierenden diamantierten Scheibe.
Dadurch entstehen exakte Schnittflächen und das gefürchtete und sehr schmerzhafte Splittern der Zähne wird vermieden.

Backenzähne

Regelmäßige Kontrollen der Backenzähne, die wir in den meisten Fällen ohne Narkose durchführen können sind für uns eine Selbstverständlichkeit.
Zahnextraktionen und andere schmerzhafte Eingriffe in der Mundhöhle werden mit Inhalationsnarkose und dementsprechender Schmerzausschaltung durchgeführt.

Abszesse und chirurgische Eingriffe in der Mundhöhle

Da es sich bei den recht häufigen Abszessen im Kieferbereich meistens um eine Folgeerscheinung eines oder mehrerer erkrankter Zähne handelt, werden diese im Rahmen der Abszessoperation von uns in Inhalationsnarkose entfernt.

Das dazugehörige Abszess wird dabei chirurgisch eröffnet und anschließend durch Marsupialisation versorgt, ein Verfahren, bei dem die Ränder der Abszesskapsel mit der äußeren Haut vernäht werden und sich folglich eine offene Tasche bildet. Dadurch ist es noch lange Zeit möglich nekrotisches und abgestorbenes Material aus der Tiefe der Wunde zu entfernen, was die Vorraussetzung für eine ordentliche Abheilung schafft.

Bei sehr schweren Zahnerkrankungen speziell im Oberkiefer, die auch eine exakte Röntgendiagnostik erfordern, oder wenn komplizierte Extraktionen teilweise in Augennähe zu erwarten sind, arbeiten wir seit einiger Zeit mit einem internationalen Fachtierarzt für Zahnheilkunde DDr. Camil Stoian, Dipl. EVDC, PhD zusammen.

Retrogrades Wurzelwachstum/Niesen

Nicht jedes Niesen bedeutet beim Kaninchen automatisch eine Schnupfenerkrankung. Oftmals „wachsen die Zahnwurzeln in die verkehrte Richtung" und es entsteht ein so genanntes Retrogrades Wurzelwachstum. Dabei durchbrechen die Wurzelbereiche des Zahnes oftmals das knöcherne Gaumendach und es entsteht für das Kaninchen ein Fremdkörpergefühl in der Nase. Die Folge ist dann anfallsartiges Niesen und meist einseitiger manchmal aber auch beidseitiger teilweise eitriger Nasenausfluß. Auch bei diesen, diagnostisch äußerst schwierigen Fällen unterstützt uns DDr. Camil Stoian bei Diagnose und Therapie. Ist der schuldige Zahn einmal röntgenologisch eruiert, wird er meist in derselben Sitzung unter Narkose extrahiert und das lästige Niesen verschwindet bei entsprechender Antibiose binnen weniger Tage.

Malocclusion, Brachygnathia superior oder auch Hechtgebiss genannt

Normalerweise ruhen die Unterkieferschneidezähne beim Kaninchen zwischen dem 1. und 2. Oberkieferschneidezahnpaar. Ist dies der Fall, so reiben sich die Zähne gegenseitig durch die Kau- und Mahlbewegungen ab und behalten so ihre physiologische Länge und Stellung.

Immer häufiger kommt es aber zu einer mehr oder weniger ausgeprägten Malocclusion, dabei passen die oberen und unteren Schneidezähne nicht mehr aufeinander und wachsen gewissermaßen aneinander vorbei. Die Ursachen hierfür sind vielfältig, z.B. genetisch durch Brachygnathia superior, oder traumatisch durch Frakturen der Incisivi nach Stürzen oder durch häufiges Käfigrütteln, manchmal auch bei älteren Kaninchen durch eine erworbene Bindegewebsschwäche.

Als mögliche Therapien kommen entweder das regelmäßige Kürzen mittels einer rotierenden, diamantierten Scheibe oder die Extraktion aller Incisivi, sofern die Backenzähne in Ordnung sind, in Frage.
Die Extraktion der Schneidezähne wird bei uns in 2 Sitzungen durchgeführt. Zuerst die unteren Incisivi und ca. 6 Wochen später, wenn die Operationswunden gut verheilt sind, die oberen 2 Paar Incisivi, nämlich die gut sichtbaren vorderen und die dazugehörigen kleinen Stiftzähnchen. Bei adäquater Zerkleinerung des Frischfutters, kann das Kaninchen dann unbeschwert seine Nahrung aufnehmen, zum Heufressen werden die Incisivi nicht benötigt.